„Kannst du mal kommen,“ schallt es aus der Küche. Widerwillig verlässt sie ihren Schreibtisch, um nach dem Rechten zu sehen. Er hält ihr seinen blutenden Daumen entgegen, sein Gesicht ein Ausdruck des Schreckens.
„Ich hab mich geschnitten.“
Wortlos holt sie ein Pflaster, umwickelt seinen Daumen fest.
„Du bist ein Schatz! Tut mir leid, jetzt musst du die Kartoffeln schälen.“ Sie seufzt, nimmt das Messer.
Er wird es nie kapieren. Der Sonntagmorgen gehört ihr, aber irgendwie schafft der Mistkerl es immer, ihn zu stören. Ist womöglich sie es, die nie lernt?
„Koch doch Reis!“ Sie wirft das Messer hin.
Ein erster Versuch, ein Drabble zu schreiben. Die Wörter sind von Wortmann .
Die Begegnung ist unerwartet. Wie alt magst du sein? 35 oder 36? Wir hatten uns aus den Augen verloren und plötzlich stehst du vor mir. Gut siehst du aus. Du trägst ein schwarzes Kleid, deine dunkelblonden Haare glänzen.
„Wie geht es dir?“ fragst du mich und, und ich antworte „Gut, gut geht es mir. Ich lebe jetzt wieder in Lüneburg.“ „Oh, da wolltest du doch nie wieder hin“, entgegnest du, „was ist passiert?“ „Ach, das war ein Kompromiss, ich erzähle es dir später.“ „Ok.“
Du lächelst mich an. Wir wissen beide nicht, was wir sagen sollen. „Erzähl mir von dir,“ fordere ich sie auf. „Was machst du? Wo lebst du jetzt?“
„Nun, als du damals weggezogen bist, war ich voller Hoffnung und Zuversicht. Am Anfang lief alles besser als erwartet, aber dann kam doch alles anders als gedacht. „
Ich nicke. Ich erinnere mich. In dem neuen Leben, das ich beginnen wollte, war bald kein Platz mehr für dich. Ich musste zu viel arbeiten, die Kinder brauchten mich, der neue Mann in meinem Leben auch. Er war mir wichtiger als du.
„Es tut mir leid. Ich hätte dich nicht gehen lassen dürfen.“ Ich meine es ernst. Ich habe dich vermisst. Mit dir habe ich gelacht, Spaß gehabt und Nächte durchfeiert. Ich bin mit dir gereist. Damals hatte ich noch Träume und du hast mir Mut gemacht, ihnen zu folgen. Manchmal war es mir aber auch zu viel mit dir. Ich wollte Stabilität, einen Ruhepol.
„Ich war lange fort“, sagt sie. „Manchmal habe ich versucht, mich bei dir zu melden, aber du hast mein Klopfen nicht gehört.“
„Doch,“ sage ich. „Ich habe es bemerkt. Und ich habe dich vermisst, besonders als die Kinder aus dem Haus waren. Aber ich wusste nicht, wie ich dir begegnen sollte, hatte Angst, wie sich mein Leben verändern würde, wenn wir wieder zusammen sind.“
„Warst du denn glücklich ohne mich?“
Ich seufze. Wenn ich ehrlich bin, nein, ich war oft nicht glücklich, aber auch nicht unglücklich. Mein Leben war ok.
„Du hast mir gefehlt.“
„Es ist nicht zu spät.“ Sie kommt auf mich zu und ich umarme und herze sie, die Frau, die ich vor 30 Jahren war.
In wenigen Monaten höre ich auf zu arbeiten. Ich merke, dass meine Nachfolgerin mit den Hufen scharrt. Sie kann nichts, was ich sage, einfach stehen lassen, nein, sie muss es umformulieren oder sie widerspricht. Statt Einarbeitung zuzulassen, lässt sie mich spüren, dass ich in ein paar Wochen weg bin und sie dann die Entscheiderin ist. Sie macht das auf eine freundlich Art, ein wenig nachsichtig, als wäre ich schon halb dement. Ich ärgere mich und es strengt mich an, Gelassenheit zu wahren. Manchmal werde ich nachts wach und sorge mich, wie es wohl ohne mich weitergeht. Ich habe diese Abteilung aufgebaut, viel Herzblut und Lebenszeit hineingesteckt. Seit 10 Jahren arbeite ich mit dieser Frau zusammen, ich kenne ihre Schwächen und weiß, wo sie sich maßlos überschätzt. Klar sie hat auch Stärken und ich sage mir, morgens gegen vier, dass dies der Lauf der Dinge ist und dass ich wirklich loslassen darf.
Trotzdem, ich will einen guten Abgang. Will die Abteilung ordentlich übergeben, will mit hocherhobenen Haupt gehen und deshalb muss ich sie in ihre Grenzen verweisen. Noch bin ich der Boss!