Nichts Halbes, sondern ein Ganzes

Neulich hat mich mein Partner als seine „bessere Hälfte“ vorgestellt. Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter. Es sollte ein Scherz sein, vielleicht sogar ein Kompliment, aber in mir löste das gar keine guten Gefühle aus.

Meine Eltern benutzten den Begriff sehr häufig. Wie viele andere Menschen ihrer Generation lebten sie uns vor, dass Paare eine Einheit sind. Selbstverständlich ging man überall gemeinsam hin, wobei es eher sie war, die ihm folgte.

Die Aufgaben waren klar definiert. Er war der Brotverdiener, sie hielt ihm den Rücken frei und kümmerte sich um Haushalt und Kinder. Es gab einen gemeinsamen Freundeskreis und der bestand fast ausschließlich aus seinen Freunden und deren Frauen.

Natürlich hatten sie Freiräume. Er ging am Wochenende zum Fußball und sie holte ihn dort ab. Sie ging, da waren wir Kinder aber schon älter, einmal in der Woche zur Gymnastik und hinterher gingen die Frauen noch einen Salat essen. Zu diesem Zeitpunkt befanden wir uns in den frühen 70iger Jahren.

Als ganz junge Frau fand ich so eine Beziehung ideal und wünschte mir nichts sehnlicher, als die „bessere Hälfte“ eines anderen Menschen zu sein.

Meinen ersten Freund begleitete ich zum Stammtisch seines Motorradclubs, saß dabei, sah hübsch aus und lächelte. Das war meine Rolle und ich gab nicht mal vor mir selbst zu, dass ich mich langweilte. Er nannte mich seine bessere Hälfte.

Mir, wie auch meinem Partner damals, erschien es normal, dass ich meine Interessen seinen unterordnete.

Zum Glück ging der Zeitgeist auch an mir nicht spurlos vorbei und die Beziehung endete in einer Trennung.

Es folgten weitere Beziehungen, eine Ehe und eine Scheidung. Meine Eltern hingegen hielten durch, als Einheit, in guten wie in schlechten Tagen. Richtig glücklich erschienen sie mir nicht.

Meine aktuelle Beziehung ist nicht perfekt. Aber ich weigere mich, eine „bessere Hälfte“ zu sein. Ich will auch keine haben.

Ich will eine Beziehung auf Augenhöhe. Eine Beziehung, in der beide eigenständig sind und das, was sie verbindet, pflegen und wertschätzen, ohne dafür sich selbst aufzugeben.  

Nach dem Besuch habe ich meinen Partner gebeten, mich nie wieder so vorzustellen. Er hat verstanden, was ich meinte. Das hat mich beruhigt. Sonst hätte ich mir Sorgen um uns gemacht.

Vom Traumberuf zur sozialen Arbeit – und warum das so gut war

„Nicht alle von uns können große Dinge tun. Aber wir können kleine Dinge mit großer Liebe tun“, hat Mutter Theresa gesagt.

Als Jugendliche habe ich davon geträumt, große Dinge zu tun. Ich wäre ich gern Journalistin geworden. Eine einflussreiche und berühmte noch dazu.

Ich stellte mir vor, ein paar Wochen als Wohnungslose, Prostituierte, Kriminelle und wie andere „Außenseiter“ zu leben und anschließend mitreißende Reportagen zu schreiben, um Verständnis für diese Menschen zu wecken. Ich wollte auf gesellschaftliche Missstände hinweisen und dafür kämpfen, die Welt ein Stück besser machen.

Mit einem mittelmäßigen Abitur traute ich mir nicht zu, Journalistin zu werden, und bin, nicht überraschend, in der sozialen Arbeit gelandet.

Dort lernte ich viele Menschen in schwierigen Lebenssituationen kennen, darunter Wohnungslose, ehemalige Inhaftierte und Prostituierte. Manche Begegnung hat mein Menschenbild in Frage gestellt.

Die Menschen erlebte ich als vielschichtig und widersprüchlich und ich lernte, dass jeder versucht, das in seinen Augen bestmögliche Leben zu leben und/oder so gut für sich zu sorgen, wie er kann.

Meine Arbeit brachte mir die Stärken und Schwächen unseres Sozialsystems näher und ich begann zu verstehen, wie unser System „denkt“. Das fasziniert mich bis heute und sozialpolitische Debatten führen bei mir schnell zu Bluthochdruck.

Während ich anfangs meist mit Gleichaltrigen arbeitete, die wie ich die Welt verändern wollten, waren es zuletzt Vertreter der Generation Z, die sich auf das Individuum konzentrieren und diesem mithilfe von Achtsamkeit und Selbstfürsorge zu einem besseren Leben verhelfen wollen. Besonders in den letzten zwei Jahren, kam ich mir oft wie ein Relikt aus alten Zeiten vor.

Die Welt habe ich nicht verbessert und wie groß mein Einfluss auf das Leben meiner Klienten war, weiß ich nicht.

Was ich weiß, ist, dass ich meine Arbeit immer als sinnvoll empfunden habe und dass ich die vielen Menschen, denen ich begegnet bin, bis auf ganz wenige Ausnahmen, mochte.

Sicher habe ich nicht jeden Aspekt meines Berufs mit Liebe ausgeübt, insbesondere Verwaltung und QM fand ich eher nervig, aber die direkte Arbeit mit Menschen, die habe ich von Herzen gern gemacht. Mit Liebe sozusagen.

Dankbarkeitschallenge am Freitag

Soeben habe ich die Dankbarkeitschallenge von Moira entdeckt.

Was für eine tolle Idee!

Dankbarkeit ist ein wunderbares Gefühl und bestärkt das Positive in unserem Leben.

Also, hier drei Dinge, für die ich in dieser Woche sehr dankbar bin:

Es hat geregnet und mein Garten ist aufgeblüht. Ich kam mit dem Gießen schon gar nicht mehr hinterher und einige frisch gepflanzte, zarte Pflanzen drohten schon zu verdorren. Doch Montag, Dienstag und Mittwoch kam das langersehnte Wasser von oben und auch die Regentonne ist wieder voll. Ich bin also dankbar für den Regen, aber auch dafür, einen Garten zu haben.

Ich hatte endlich meinen Gesundheitscheck. Mein Langzeitzuckerwert war höher als erwartet (ich habe Diabetes II) und auch die Cholesterinwerte lassen zu wünschen übrig, aber alles andere ist in Ordnung. Mit etwas mehr Bewegung und etwas weniger Sitzen und futtern lässt sich das gut in den Griff kriegen. Ich freue mich, dass auch der Hautkrebscheck und die anderen Vorsorgeuntersuchungen nichts Bedenkliches gezeigt haben und bin dankbar für meine Gesundheit.

Mein Sohn hat geholfen, das Dach vom Wintergarten zu reparieren. Wir leben ja in einem ziemlich alten und wirklich dringend restaurationsbedürftigen Haus, und kaum kam der Regen, tropfte es an mehreren Stellen in den Wintergarten. Gestern Abend kam mein Sohn und hat das Dach repariert. Also bin ich sowohl für einen jetzt trockenen Wintergarten dankbar, als auch dafür, einen Sohn zu haben, der ohne großen Aufhebens hilft, wenn Arbeiten anfallen, mit denen ich überfordert bin.

Ich wünsche euch allen ein tolles Wochenende!