Vom Traumberuf zur sozialen Arbeit – und warum das so gut war

„Nicht alle von uns können große Dinge tun. Aber wir können kleine Dinge mit großer Liebe tun“, hat Mutter Theresa gesagt.

Als Jugendliche habe ich davon geträumt, große Dinge zu tun. Ich wäre ich gern Journalistin geworden. Eine einflussreiche und berühmte noch dazu.

Ich stellte mir vor, ein paar Wochen als Wohnungslose, Prostituierte, Kriminelle und wie andere „Außenseiter“ zu leben und anschließend mitreißende Reportagen zu schreiben, um Verständnis für diese Menschen zu wecken. Ich wollte auf gesellschaftliche Missstände hinweisen und dafür kämpfen, die Welt ein Stück besser machen.

Mit einem mittelmäßigen Abitur traute ich mir nicht zu, Journalistin zu werden, und bin, nicht überraschend, in der sozialen Arbeit gelandet.

Dort lernte ich viele Menschen in schwierigen Lebenssituationen kennen, darunter Wohnungslose, ehemalige Inhaftierte und Prostituierte. Manche Begegnung hat mein Menschenbild in Frage gestellt.

Die Menschen erlebte ich als vielschichtig und widersprüchlich und ich lernte, dass jeder versucht, das in seinen Augen bestmögliche Leben zu leben und/oder so gut für sich zu sorgen, wie er kann.

Meine Arbeit brachte mir die Stärken und Schwächen unseres Sozialsystems näher und ich begann zu verstehen, wie unser System „denkt“. Das fasziniert mich bis heute und sozialpolitische Debatten führen bei mir schnell zu Bluthochdruck.

Während ich anfangs meist mit Gleichaltrigen arbeitete, die wie ich die Welt verändern wollten, waren es zuletzt Vertreter der Generation Z, die sich auf das Individuum konzentrieren und diesem mithilfe von Achtsamkeit und Selbstfürsorge zu einem besseren Leben verhelfen wollen. Besonders in den letzten zwei Jahren, kam ich mir oft wie ein Relikt aus alten Zeiten vor.

Die Welt habe ich nicht verbessert und wie groß mein Einfluss auf das Leben meiner Klienten war, weiß ich nicht.

Was ich weiß, ist, dass ich meine Arbeit immer als sinnvoll empfunden habe und dass ich die vielen Menschen, denen ich begegnet bin, bis auf ganz wenige Ausnahmen, mochte.

Sicher habe ich nicht jeden Aspekt meines Berufs mit Liebe ausgeübt, insbesondere Verwaltung und QM fand ich eher nervig, aber die direkte Arbeit mit Menschen, die habe ich von Herzen gern gemacht. Mit Liebe sozusagen.

Dankbarkeitschallenge am Freitag

Soeben habe ich die Dankbarkeitschallenge von Moira entdeckt.

Was für eine tolle Idee!

Dankbarkeit ist ein wunderbares Gefühl und bestärkt das Positive in unserem Leben.

Also, hier drei Dinge, für die ich in dieser Woche sehr dankbar bin:

Es hat geregnet und mein Garten ist aufgeblüht. Ich kam mit dem Gießen schon gar nicht mehr hinterher und einige frisch gepflanzte, zarte Pflanzen drohten schon zu verdorren. Doch Montag, Dienstag und Mittwoch kam das langersehnte Wasser von oben und auch die Regentonne ist wieder voll. Ich bin also dankbar für den Regen, aber auch dafür, einen Garten zu haben.

Ich hatte endlich meinen Gesundheitscheck. Mein Langzeitzuckerwert war höher als erwartet (ich habe Diabetes II) und auch die Cholesterinwerte lassen zu wünschen übrig, aber alles andere ist in Ordnung. Mit etwas mehr Bewegung und etwas weniger Sitzen und futtern lässt sich das gut in den Griff kriegen. Ich freue mich, dass auch der Hautkrebscheck und die anderen Vorsorgeuntersuchungen nichts Bedenkliches gezeigt haben und bin dankbar für meine Gesundheit.

Mein Sohn hat geholfen, das Dach vom Wintergarten zu reparieren. Wir leben ja in einem ziemlich alten und wirklich dringend restaurationsbedürftigen Haus, und kaum kam der Regen, tropfte es an mehreren Stellen in den Wintergarten. Gestern Abend kam mein Sohn und hat das Dach repariert. Also bin ich sowohl für einen jetzt trockenen Wintergarten dankbar, als auch dafür, einen Sohn zu haben, der ohne großen Aufhebens hilft, wenn Arbeiten anfallen, mit denen ich überfordert bin.

Ich wünsche euch allen ein tolles Wochenende!

Trautes Heim, Glück allein

Seit Sabine nicht mehr arbeitet, hat sie das perfekte Heim.

Die Küche ist aufgeräumt, Obstkorb, kleines Weinregal und Blumen auf der Fensterbank machen sie ungewohnt heimelig. Im Wohnzimmer sind die Möbel neu arrangiert, das Parkett glänzt. Nirgendwo klebt ein Hundehaar, kein Strumpf oder Pullover liegt herum, geschweige denn ein Buch. Im Bad glänzen die Duschwände und die Gästehandtücher liegen ordentlich gefaltet im Regal.

Wenn ich sie besuche, habe ich neuerdings das Gefühl, mich auf Eierschalen zu bewegen. Meinen Kaffeebecher setze ich brav auf den grauen Filzuntersetzer, ich ziehe die Schuhe noch vor der Haustür aus und versuche, nicht beleidigt zu sein, wenn sie mich aus ihrer Küche scheucht.  

Wie gemütlich war es, bevor sie in Rente ging!

Auf dem Sofa lagen ihr Strickzeug und der Krimi, den sie gerade las. Ein Teller mit Keksen stand auf dem Tisch und wenn eine von uns krümelte, störte uns das nicht. Ihr Make-up lag offen im Bad und im Ohrensessel schlief der Hund.

Jetzt ist Sabine in Habachtstellung. Jede Bedrohung des perfekten Haushalts muss sofort bekämpft werden.

Ist das ein Ruhestandsphänomen?

Bei meiner Cousine ist es ähnlich. Als berufstätige Hausfrau, ließ sie Fünf gerade sein.

Seit 6 Jahren herrscht bei ihr perfekte Ordnung, bei deren Aufrechterhaltung inzwischen auch eine Putzhilfe mithilft.

Meine Cousine klagt über die Arbeit, die ihr Haushalt macht. Jeden Tag müsse sie putzen. „Warum hast du dir auch schwarze glänzende Fliesen in Flur und Küche legen lassen, und musste der Teppichboden im Wohnzimmer unbedingt hellbeige sein?“, frage ich mich insgeheim.

Sabine hingegen schwärmt davon, wie schön sie es findet, jetzt endlich in einem aufgeräumten Haushalt zu leben. Sie meint, dass die äußere Ordnung wesentlich zu ihrem Gefühl innerer Ruhe beiträgt.  

Ich gebe zu, ein bisschen mehr Ordnung würde nicht schaden. Neuerdings fällt mir auf, dass in meinen Schubladen das blanke Chaos herrscht – ganz zu schweigen, von all dem Zeug, das überall herumliegt und mich nervt.  Zeit genug, mal gründlich aufzuräumen, habe ich ja jetzt und ein bisschen mehr innere Ruhe wäre auch nicht schlecht.

Ich muss ja nicht gleich zur perfekten Hausfrau mutieren, oder?