Ich bin ein Gewohnheitstier. Seit ich keine Kinder mehr zur Schule schicken muss, also seit mindestens 20 Jahren, trinke ich morgens zwei Becher Kaffee und lese die Zeitung, wohl wissend, dass ich damit in die Hauptverkehrszeit gerate und mindestens 20 Minuten im Stau stehen werde. Infolge komme ich zu spät ins Büro und muss die Zeit nacharbeiten, was wiederum dazu führt, dass ich abends erst spät nach Hause komme und die Freizeit bis zum Schlafengehen knapp ist.
Ich könnte auch einen Thermosbecher mit Kaffee ins Auto nehmen, NDR Info hören und frühzeitig auf der Arbeit sein. Dann wäre ich abends vor 18.00 Uhr zuhause und könnte die Zeitung in Ruhe auf dem Sofa lesen.
Will ich aber nicht.
Ich liebe diese frühe Stunde allein mit mir und der Zeitung.
Aufstehen, duschen, anziehen und sofort los zur Arbeit, würde mir das Gefühl geben, eine Maschine zu sein.
Vor Kaffee und Zeitung walke ich mindestens 30 Minuten, egal ob Sommer oder Winter. Genieße die Bewegung und die frische Luft, Damit überliste ich meinen inneren Schweinehund. Der schläft um 05.30 noch tief und fest. Abends hingegen ist er hellwach und lockt mich aufs Sofa. Dahin folge ich ihm dann auch gern.
Wie das wohl in einigen Wochen sein wird? Wenn ich jederzeit walken kann, wenn es egal ist, wann ich aufstehe und ich nicht nur eine Zeitung, sondern gleich mehrere lesen kann? Ob es mir wohl gelingt, eine Routine aufzubauen, die mir guttut?

