Lichtblicke

Sie gehen oft im Alltag unter, sind schnell vergessen oder werden übersehen. Neben den Dingen, über die wir uns ärgern oder aufregen, neben den vielen Anforderungen, die unser Leben an uns stellt, verblassen sie schnell: die schönen, glücklichen und positiven Erfahrungen und Momente.

Ich will meinen Blick für sie schärfen, ihnen einen Platz geben, wo ich sie jederzeit wiederfinde. Also hier, auf diesem Blog.

An dunklen Tagen erinnern sie mich an das, woran ich mit tiefstem Herzen glaube: die allermeisten Menschen sind gut und vertrauenswürdig, das Leben ist lebenswert, die Erde ist ein Ort voller Schönheit und Harmonie und Menschlichkeit zeigt sich überall.

Und nein, ich bin weder naiv noch blind.

Mir ist bewusst, dass Egoismus und Narzissmus, machthungrige und skrupellose Regierende, gierige Oligarchen, Brutalität und Gewalt unsere Welt gefährden, dass Naturkatastrophen, Armut und Krankheit das Leben vieler Menschen zerstören.

Diesem Grausamen und Schrecklichem will ich nicht die Macht über meinen Seelenfrieden überlassen. Ihr etwa?

Ich will das Gute wahrnehmen und wertschätzen, meine Hoffnung bewahren, Kraft und innere Stärke sammeln, damit ich selbst die Energie bewahre, etwas zu einem guten Zusammenleben beizutragen.

Und mein Lichtblick heute?

Nun, vor wenigen Wochen habe ich eine neue Hüfte bekommen und bin auf Gehhilfen angewiesen. Schneeschieben geht zur Zeit nicht. Aber als ich heute aus der Haustür schaute, sah ich, dass einer meine Nachbarn ungefragt den Weg zu meiner Haustür freigeschaufelt und gestreut hatte.

Jemand, der mir nicht nahe steht, hat an mich gedacht, hat gesehen, dass ich nicht Schnee schaufeln kann und hat ohne Aufhebens geholfen.

Danke lieber Nachbar!!

Liebe Gewohnheiten

Ich bin ein Gewohnheitstier. Seit ich keine Kinder mehr zur Schule schicken muss, also seit mindestens 20 Jahren, trinke ich morgens zwei Becher Kaffee und lese die Zeitung, wohl wissend, dass ich damit in die Hauptverkehrszeit gerate und mindestens 20 Minuten im Stau stehen werde. Infolge komme ich zu spät ins Büro und muss die Zeit nacharbeiten, was wiederum dazu führt, dass ich abends erst spät nach Hause komme und die Freizeit bis zum Schlafengehen knapp ist.

Ich könnte auch einen Thermosbecher mit Kaffee ins Auto nehmen, NDR Info hören und  frühzeitig auf der Arbeit sein. Dann wäre ich abends vor 18.00 Uhr zuhause und könnte die Zeitung in Ruhe auf dem Sofa lesen.  

Will ich aber nicht.

Ich liebe diese frühe Stunde allein mit mir und der Zeitung.

Aufstehen, duschen, anziehen und sofort los zur Arbeit, würde mir das Gefühl geben, eine Maschine zu sein.

Vor Kaffee und Zeitung walke ich mindestens 30 Minuten, egal ob Sommer oder Winter. Genieße die Bewegung und die frische Luft, Damit überliste ich meinen inneren Schweinehund. Der schläft um 05.30 noch tief und fest.  Abends hingegen ist er hellwach und lockt mich aufs Sofa. Dahin folge ich ihm dann auch gern.

Wie das wohl in einigen Wochen sein wird? Wenn ich jederzeit walken kann, wenn es egal ist, wann ich aufstehe und ich nicht nur eine Zeitung, sondern gleich mehrere lesen kann? Ob es mir wohl gelingt, eine Routine aufzubauen, die mir guttut?