Momentaufnahme – nachts um Vier

In wenigen Monaten höre ich auf zu arbeiten. Ich merke, dass meine Nachfolgerin mit den Hufen scharrt. Sie kann nichts, was ich sage, einfach stehen lassen, nein, sie muss es umformulieren oder sie widerspricht. Statt Einarbeitung zuzulassen, lässt sie mich spüren, dass ich in ein paar Wochen weg bin und sie dann die Entscheiderin ist. Sie macht das auf eine freundlich Art, ein wenig nachsichtig, als wäre ich schon halb dement. Ich ärgere mich und es strengt mich an, Gelassenheit zu wahren.
Manchmal werde ich nachts wach und sorge mich, wie es wohl ohne mich weitergeht. Ich habe diese Abteilung aufgebaut, viel Herzblut und Lebenszeit hineingesteckt. Seit 10 Jahren arbeite ich mit dieser Frau zusammen, ich kenne ihre Schwächen und weiß, wo sie sich maßlos überschätzt. Klar sie hat auch Stärken und ich sage mir, morgens gegen vier, dass dies der Lauf der Dinge ist und dass ich wirklich loslassen darf.

Trotzdem, ich will einen guten Abgang. Will die Abteilung ordentlich übergeben, will mit hocherhobenen Haupt gehen und deshalb muss ich sie in ihre Grenzen verweisen. Noch bin ich der Boss!

Wer – Warum – Worüber

Herzlich willkommen auf meinem Blog!

Wer hier schreibt:
Frau D., zur Zeit 66 Jahre und einen Monat alt.

Warum ich schreibe:
Schreiben gehört zu meinem Leben. Seit meiner Kindheit schreibe ich Tagebuch. Das hilft mir, meine Gedanken und Gefühle zu sortieren, neue Einsichten zu gewinnen und loszulassen. Seit einigen Jahren bin ich in einem Schreibsalon aktiv. Bloggen hat mich immer schon gereizt, und seit 2021 habe ich den einen oder anderen Blog gestartet, dann aber aus Zeitmangel vernachlässigt und schließlich gelöscht.

Bei meinen letzten Blogversuchen hatte ich kein festes Thema und sehr hohe Ansprüche an mich selbst. Diesmal habe ich ein Thema.

Ich gehe in wenigen Wochen in Rente. Das fällt mir nicht ganz leicht, denn ich habe meinen Beruf – soziale Arbeit – aus ganzem Herzen geliebt. Die letzten Jahre war ich Einrichtungsleitung, durfte also viel gestalten und entscheiden, hatte Kontakt zu Mitarbeitern, Klienten, Ämtern und Behörden und natürlich auch eine berufliche Rolle, die nicht nur viel Verantwortung und Zeit kostete, sondern mir auch das Gefühl gab, etwas zu bewirken, zu etwas Gutem beizutragen.

Künftig bin ich nur noch Frau D. Wer das ist, weiß ich gar nicht so genau, denn ich habe mich vor allem über meine berufliche Rolle definiert und oftmals auch die Arbeit benutzt, um mich schwierigen Lebensthemen nicht zu stellen.

Der Eintritt in den Ruhestand ist der Beginn der letzten Lebensphase ist. Nach Kindheit und Jugend, Familiengründung, Berufstätigkeit kommt nun eine Phase, in der ich mich noch einmal neu erfinden kann, die aber gleichzeitig auch in das Alter führt.

Noch fühle ich mich jung und voller Tatendrang, doch im Zusammensein mit meiner Mutter, Onkel und Tanten, allesamt 88 Jahre und älter, habe ich in den letzten Jahren erlebt, wie aus aktiven, lebensfrohen Rentnern nach und nach Greise wurden. Sie lieben das Leben, nehmen weiterhin Anteil an allem, was in der Welt geschieht, und doch werden sie müder, langsamer. Alles wird ein weniger, die Spaziergänge kürzer, die Mahlzeiten kleiner, das Schlafbedürfnis größer.

Sie sind für mich Vorbilder, weil sie das Leben auskosten und gleichzeitig wird mir im Zusammensein mit ihnen bewusst, wie kostbar unsere Lebensjahre sind. Wir wissen nicht, wie viele Lebenstage noch vor uns liegen. Umso wichtiger ist es, jeden Tag auszukosten.

Auf Herzwellen schreiben ich über den Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand, darüber, was ich dabei erlebe und fühle. Neben persönlichen Erfahrungen schreibe ich aber auch gern über das, was ich lerne und erfahre, teile Informationen und Tipps. Manchmal setze ich mich in Form von Ausgedachtem mit dem Leben auseinander,

Warum Herzwellen

Herzwellen habe ich als Titel des Blogs gewählt, weil ich mit Herz schreibe und Wellen als Sinnbild für unsere Lebensphasen und Gefühle sehe. Wellen zeigen sich von Tag zu Tag anders: sanft, ruhig, beständig und leise oder unruhig, kraftvoll, zerstörerisch und laut. Genau wie unsere Lebensphasen.

Raus aus der Komfortzone

5 Gründe, warum du deine Komfortzone hin und wieder verlassen solltest

Eins ist sicher: solange du deine Komfortzone nicht verlässt, wird sich in deinem Leben nichts ändern.

Aber keine Angst, du musst deine Komfortzone nicht aufgeben. Im Gegenteil! Deine Komfortzone gibt dir Struktur, Sicherheit und Geborgenheit. Das brauchst du, um nicht ständig in Stress zu sein. Trotzdem gibt es gute Gründe, dich ab und zu aus deiner Komfortzone herauszuwagen:

  • du machst neue Erfahrungen: Du musst nicht gleich einen Gipfel erstürmen oder einen Seitensprung wagen, um neue Erfahrungen zu machen. Fang mit etwas kleinem an: geh in ein klassisches Konzert, wenn du normalerweise nur Rock oder Elektro hörst. Höre hin, lass dich ein. Wer weiß, vielleicht gefällt dir die Musik. Wenn nicht, hast du trotzdem etwas gewonnen, nämlich neue Eindrücke und einen kleinen Einblick in die Welt der Klassikliebhaber.
  • du erweiterst deinen Horizont: Mit jedem Ausflug außerhalb deiner Komfortzone erweiterst du deinen Horizont. Egal, ob du zum ersten Mal in ein veganes Restaurant gehst oder ein neues Land bereist, du hast etwas Neues erlebt, neue Erfahrungen gemacht und deinen Horizont erweitert.
  • du entwickelst deine Persönlichkeit: Du bist das erste Mal auf einem Schützenfest und findest die Veranstaltung gruselig? Die Welt ist bunt und vielfältig. Jeder Mensch tickt anders, und ganz viele ticken anders als du. Lass dich trotzdem auf sie ein. Entweder hilft es dir, offener und toleranter zu werden, andere besser zu verstehen oder du lernst, dich abzugrenzen und wirst dir deiner eigenen Werte besser bewusst. Das gibt deiner Persönlichkeit Kontur.
  • du gewinnst Selbstvertrauen: Du hast was geschafft, bist das erste Mal vom 3-Meter-Brett gesprungen, du bist zufrieden mit dir, du kriegst Lust, es noch mal zu machen. Traust dir nach 10 weiteren Sprüngen sogar das 5-Meter-Brett zu. Weiter so, du entwickelst gerade Selbstvertrauen. Vertrauen in deine Fähigkeiten und in dich selbst wächst nur, wenn du Ängste und Unsicherheiten überwindest. Das tust du jedes Mal, wenn du was Neues ausprobierst. Wie gesagt, es müssen keine Heldentaten sein. Viele kleine Schritte führen auch zum Ziel.
  • du wirst kreativer: Routinen, Monotonie, Gewohnheiten und immer gleiche Rituale rauben dir deine Kreativität. Neue Eindrücke, Ideen und Erfahrungen füttern sie hingegen. Du fühlst dich inspiriert und kriegst immer mehr gute Ideen.

Und wenn es schief geht?

Dann bist du um eine Erfahrung reicher. Dann machst du es einfach nicht noch mal. Gewonnen hast du trotzdem, denn du bist aktiv geworden, hast dich getraut und das allein ist schon großartig! Mach weiter so. Probier was anderes aus und lass dich bloß nicht entmutigen.