Zukunftsmusik

Nur noch drei Wochen und drei Tage und zwei Stunden. Dann ist es geschafft!

Dann beginnt ein neues Leben.  Endlich Zeit für mich. Zeit, zum Malen, Zeit zum Schreiben, Zeit zu lesen, so viel ich nur will.

Wenn es warm wird, kann ich endlich dieses öde Stück Land hinter dem Haus in ein Gartenparadies verwandeln. Ein verwunschener Garten soll es werden, blühen und duften überall, Blüten sollen sich im Wind wiegen, in schattigen Ecken sollen Funkien grüne Ruheoasen schaffen, im Sommer wird künftig draußen gegessen und der Rasen wird wieder zum Rasen, einschließlich Gänseblümchen, aber ohne die kahlen, sandigen Stellen.

Abends werde ich im Garten sitzen, den Vögeln lauschen, ein Glas Weißwein genießen und wunderschöne Strickkreationen anfertigen.

Vorbei die Zeiten, wo ich gegen 19.00 nach Hause kam, schnell das Essen machte und beim Fernsehen vorm Sofa einschlief.

An Regentagen werde ich das Haus auf Vordermann bringen. Ausmisten. Den Keller, wo sich alte Möbel und ausrangierte Klamotten stapeln, frei räumen. Platz schaffen für Vorräte und Weihnachtsdeko. Vielleicht kann ich ja einige der alten Möbel aufarbeiten, schick streichen, um sie dann in meinem neuen Schreib- und Malzimmer zu nutzen. Auch für einen Flohmarkt hätte ich Zeit. Großartig! Endlich all das machen, wofür mir die Wochenenden immer zu schade waren.

Altlasten loswerden. Raum schaffen, mich einrichten in diesem Haus, in dem ich seit 10 Jahren lebe, ohne angekommen zu sein. Ich werde mir eine gemütliche Leseecke schaffen und einen Platz zum Schreiben, umgeben von Büchern, die ich liebe. Ein Malatelier, zumindest eine Ecke des Raumes soll Farben, Kreiden, Pinsel, Stifte, Leinwände und Zeichenmappen beherbergen. Kleine Kunstwerke sollen die Regale zieren, ein Ort der Inspiration!

Ich werde viel Zeit mit meinen Enkelinnen verbringen. Sie wohnen nur 10 Minuten von mir entfernt und trotzdem sehe ich sie manchmal zwei oder drei Wochen gar nicht. Künftig werde ich mit ihnen Schwimmen gehen, ihnen die Welt zeigen. Spiele spielen, tiefgründige Gespräche mit ihnen führen, vielleicht auch bei den Hausaufgaben helfen.

Aus mir wird noch eine richtige Oma, ihr werdet sehen!

Ich werde mich auch um meine alten Leute kümmern und den Rest der Familie. Kein schlechtes Gewissen mehr haben, weil es wieder nur für einen Anruf statt eines Besuchs gereicht hat. Dabei wohnt meine Mama nur 45 Minuten von mir entfernt, Fußweg, wohlgemerkt.

Künftig werde ich mit meiner Mutter öfter mal einen Kaffee trinken gehen und in die Salztherme fahren. Sie schwimmt so gern und mit ihren 88 Jahren hat sie immer noch Spaß am Wandern.

Mein Lieblingsonkel wird dieses Jahr 90. Bislang habe ich es höchsten zweimal im Jahr geschafft, ihn zu besuchen. Das kann ich jetzt auch öfter machen, ich glaube, er würde sich freuen.

Mit meinem Bruder und meiner Schwägerin telefoniere ich viel und wir sehen uns selten. Die beiden leben an der Nordsee, nur 12 km entfernt vom Wasser, da könnten wir doch künftig allerhand gemeinsam unternehmen. Sie haben ein Gästezimmer und ich werde mich einladen.

Ja, und dann werde ich ja auch noch Aktiv – Rentnerin. Zweimal in der Woche werde ich mein Team weiterhin unterstützen, Schreibkram verrichten, neue Mitarbeiter einarbeiten, halt den Kram machen, für den immer die Zeit zu knapp ist. Einen Teil kann ich im Homeoffice machen bei freier Zeiteinteilung. Jetzt bin ich froh, für einen privaten Träger zu arbeiten, bei einem öffentlichen hätte niemand Geld für solche Stelle frei gemacht.

Verantwortung werde ich nicht mehr haben, aber einen Nebenverdienst, der mir helfen wird, Malkurse und Städtereisen zu finanzieren.

Nur noch 3 Wochen und drei Tage und zwei Stunden bis zum Ruhestand. Ich kann es kaum erwarten!