Vier Lieblingsmenschen, die meinen Blick aufs Alter verändern

Heute stelle ich euch vier Menschen vor, die meinen Blick aufs Alter positiv verändern:

Meine Mutter

Sie wird in ein paar Wochen 89. Mit ihrem E-bike düst sie durch die Gegend, redet von einem schöne Spaziergang, wenn sie drei Stunden durch Feld und Wald gelaufen ist und sie interessiert sich für alles, was in der Welt geschieht. Sie lebt allein und nimmt nur ungern Hilfe in Anspruch.

Sie spricht oft über die Vergangenheit, über das Aufwachsen in der Nachkriegszeit, über ihre Geschwister, über ihre Jahre als junge Mutter. Sie hatte es nicht leicht im Leben, aber da ist keine Bitterkeit.

„Auch wenn ich mit 14 schon zum Bauern musste, um Geld zu verdienen, habe ich doch was aus meinem Leben gemacht“, höre ich sie immer wieder sagen.

Ihr Partner, Werner

Er ist 90 und bezaubernd. Sie hat ihn verdient. Die beiden gehen gern zusammen ins Theater, spielen Karten und beschuldigen sich dabei gegenseitig, zu schummeln. Werner ist ein echter Charmeur. Manchmal gehe ich mit den beiden ins Theater, und er hält uns die Tür auf, spendiert in der Pause einen Sekt und hilft uns in unsere Mäntel. Ich bin ganz hingerissen von ihm.

Meine Tante

Die Schwester meiner Mutter ist zwei Jahre jünger und hat bis vor wenigen Jahren Malkurse gegeben. Jetzt kümmert sie sich um die Gartengestaltung, und das mit Erfolg.

Tante Lore ist ausgesprochen durchsetzungsfähig. Neulich habe ich erlebt, wie sie einem Handwerker heruntergeputzt hat, der es gewagt hatte, sich nicht an ihre Wünsche zu halten. Er war hinterher ziemlich kleinlaut und hat dann kostenfrei alles so geändert, wie sie es wollte.

Als junge Frau hat sie gelernt, dass es wichtig ist, schlank zu sein, und so achtet sie auch heute noch auf ihr Gewicht, um ihrem Mann zu gefallen.

Onkel Heinz

Er ist mittlerweile 90, hat es mit dem Herzen und ist körperlich nicht mehr belastbar. Dafür ist er ein spannender Gesprächspartner, der am liebsten Bericht aus Berlin, Lanz, Illner und Co. sieht und im Alter vom Konservativen zum Grünen geworden ist. Surfen im Internet ist sein Hobby, und von KI ist er fasziniert, wenn auch skeptisch. Er erzählt mir bei jedem Besuch, wie froh er ist, Tante Lore geheiratet zu haben.

Wie haben sie es geschafft, im Alter so fit zu sein?

Wie haben diese Vier es, abgesehen von wahrscheinlich guten Genen, geschafft, im hohen Alter so zufrieden, gesund, aktiv und interessiert an der Welt zu sein?

Sie sind in ihren Persönlichkeiten und in ihrem Lebensstil, aber auch in Hinblick auf ihre Werte, grundverschieden.

Gemeinsam ist ihnen, dass sie in Kindheit und Jugend vieles, nicht nur Materielles, entbehren mussten. Als Erwachsene lebten sie mit der Überzeugung, es durch harte Arbeit zu etwas bringen zu können. Sie haben gern gefeiert und nicht erwartet, dass das Leben einfach ist.

Sie richten ihre Aufmerksamkeit auf die positiven Dinge in ihrem Leben, statt über ihre durchaus auch vorhandenen Wehwehchen zu jammern.

Kann ich etwas von ihnen lernen?

Ob das Wissen über die persönliche Lebensgeschichte meiner „Alten“ hilft, selbst sehr alt zu werden, bezweifle ich. Das Zusammensein mit ihnen zeigt mir aber, dass es möglich ist, auch im hohen Alter glücklich zu sein und dem Leben Schönes abzugewinnen. Das lindert meine Angst vor Gebrechlichkeit.

Gesprächen mit diesen alten Menschen spiegeln die Werte und gesellschaftlichen Erwartungen der 60iger und 70iger Jahre, die mich geprägt haben. Früher habe ich gegen einige dieser Werte rebelliert, heute verstehe ich das Denken dieser Generation ganz anders.

Ich verstehe besser, wie uns Zeitgeist, gesellschaftliche Werte und Normen beeinflussen, auch heute noch. Das hilft mir, mein eigenes Leben aus anderen Perspektiven zu betrachten.

Wie ist das bei dir? Hast du Kontakt zu sehr alten Menschen? Was gewinnst du aus Gesprächen mit Ihnen?

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