Lernst du dein Leben lang weiter?

Tägliche Schreibanregung

Tägliche Schreibanregung
Lernst du dein Leben lang weiter?

Ich bin überzeugt, dass ich das tue.

Lernen ist mehr als die Anhäufung von Wissen. Lernen ist Auseinandersetzung mit dem Leben, sei es im Kontakt mit anderen, in Gesprächen oder beim Lesen. Ganz nebenbei lernen wir aus unseren Erfahrungen, und im besten Fall auch aus unseren Fehlern.

Wenn wir unser Leben aktiv gestalten und offen sind, lernen wir mehr, als wenn wir unser Leben auf das vertraute Umfeld reduzieren. Dabei müssen wir keine Weltreise machen, um Neues zu entdecken. Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig ich über den Stadtteil weiß, in dem ich lebe. Meist gehe oder fahre ich die schnellsten Wege in die Stadt oder zum Einkaufen, aber hin und wieder gehe ich eine Seitenstraße entlang und entdecke dort ein schönes Haus oder einen kleinen Laden.

Ich lese etwas in der Zeitung, das mich interessiert und beginne, mehr zum Thema zu lesen. Weil das Geld knapp ist, lerne ich, mein Haus selbst zu renovieren.

Meine Freundin ist sauer auf mich und ich verstehe, dass ich lernen muss, sie nicht gleich mit Ratschlägen „zu prügeln“, wenn sie mir von einem Problem erzählt. Ich passe mein Verhalten an, auch das ist lernen.

Lernen ist Entwicklung und wir alle lernen lebenslang. Ich glaube, wir unterscheiden uns darin, wie viel wir lernen und ob wir bereit sind, Schlussfolgerungen aus unseren Erfahrungen zu ziehen und unser Verhalten oder unsere Meinungen anzupassen.

Wir sind alle unterschiedlich. Die einen sind glücklich, wenn sie einen neuen Weg finden, die perfekte Erdbeermarmelade zu kochen, während andere Hochgefühle erleben, wenn sie sich mit etwas befassen und plötzlich ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge finden.  

Es gibt so vieles, das ich lernen möchte. Ich lese, ich nehme an Seminaren teil, ich arbeite noch ein paar Stunden in der Woche, weil die Zusammenarbeit mit anderen mir unterschiedliche Perspektiven und Themen eröffnet.

Ich merke aber auch, dass ich viele Informationen wieder vergesse. Ich behalte, was mich interessiert. Aber behalten ist ja nicht unbedingt lernen, es wird zum Lernen, wenn wir Schlussfolgerungen aus den Informationen ziehen oder die Informationen nutzen, um etwas in unserem Leben zu bewirken.

Der Gedanke, eines Tages nicht mehr zu lernen oder den Zugang zur Vielfalt des Lebens zu verlieren, der macht mir Angst.

Hand aufs Herz

Bei Rina bin ich auf die Aktion ‚Hand aufs Herz‘ von Aeqitas et Veritas gestoßen. Jeden Freitag eine neue Frage, das klingt spannend. Bei dieser hier ist mir gleich eine ganze Menge eingefallen:

„Welche Fähigkeit möchtest du erlernen?“

  1. Singen.

Ich kann überhaupt nicht singen. Kann keinen Ton halten, nicht mal die Melodie einfacher Kinderlieder. Meine kleine Enkelin sieht mich immer mit großen Augen an, wenn ich ihr etwas vorsinge und meine Stimme zwischen ganz hoch, tief, gackernd, jaulend und krächsend changiert.

Dabei würde ich so gern mal in einem Chor singen oder zumindest bei feierlichen Anlässen mitsingen, ohne schief angeguckt zu werden.

Ob ich es mal mit einer Gesangstunde versuche? Vielleicht bin ich ja doch kein hoffnungsloser Fall.

2. Unbeschwert sein

Kann man lernen, einfach nur fröhlich und sorglos zu sein, zu feiern und zu genießen, ohne eine mahnende Stimme als Spielverderber im Hintergrund? Oder einem fiesen Zensor, der einem am nächsten Tag vorhält, viel zu hemmungslos und unvernünftig gewesen zu sein?

Und warum hatte ich diese Fähigkeit als 26 jährige, während sie mir als 66jährige komplett abhanden gekommen ist?