Langeweile? Heute nicht. Ich habe einen Plan

In meinem letzten Beitrag hatte ich euch beschrieben, wie schnell ich in einen Zustand von Langeweile, innerer Unruhe und Selbstvorwürfen gerate.

Um das zu vermeiden, lebe ich seit einigen Wochen „nach Plan“.

Während ich meinen ersten Kaffee trinke, überlege ich, wie ich den Tag gestalten will. Dabei achte ich darauf, dass ich verschiedene Bereiche, die mir wichtig sind, abdecke.

Ich hatte schon einmal erzählt, dass das Haus, in dem ich lebe, so gar nicht meinen Vorstellungen von „schöner Wohnen“ entspricht. Mein Garten ist noch längst nicht die Wohlfühloase, von der ich träume und meine Hobbys übe ich viel zu selten aus. Außerdem brauche ich Bewegung, schließlich muss ich nach meinen Hüft-OPs wieder Kraft aufbauen.  

Mittlerweile weiß ich, dass ich mich eher aufraffen kann, wenn ich mir vornehme, nur ein bisschen auf einmal zu machen. Daher begrenze ich die Aktivitäten auf maximal eine Stunde.

An Tagen, an denen ich keine Termine oder Großmutterpflichten habe, sieht der Plan dann in etwa so aus:

  • 30 Minuten Zeitunglesen
  • 30 Minuten Hausarbeit
  • 20 Minuten Papiere sortieren (ihr glaubt gar nicht, was sich da alles angehäuft hat über die Jahre)
  • 30 Minuten Spazierengehen oder Fahrrad fahren  
  • Renate anrufen
  • 1 Stunde malen
  • 30 Minuten Unkraut jäten

Was glaubt ihr, passiert, wenn ich mich an den Plan halte?

Ich fühle mich gut, weil ich nach und nach kleine Veränderungen im Haus sehe. Ich öffne eine Schublade und statt heillosen Durcheinander finde ich Glühbirnen und Batterien da, wo sie hingehören.

Aus den 30 Minuten Spazierengehen oder Radfahren wird schnell eine Stunde und ganz nebenbei erkunde ich meine nähere Umgebung. Wenn ich mit Malen oder Gartenarbeit anfange, komme ich oft in einen Flow und bin über Stunden glücklich beschäftigt. Oft wird es richtig spät und das Abendessen verschiebt sich auf die 20.00 Uhr Nachrichten.

Neue Ideen, was ich noch alles tun könnte, um mir ein Wohlfühlzuhause zu schaffen oder ein tolles Bild zu malen, entstehen plötzlich fast von selbst.  

Alle Punkte des Plans erfülle ich selten. Das ist auch gar nicht das Ziel.

Der Plan hilft mir zu wissen, was ich als nächstes tun will. Er bringt mich ins Handeln, weil es mir leichter fällt, mit etwas anzufangen, das ich nicht so gern tue, wenn ich weiß, dass ich es nur 20 oder 30 Minuten machen muss.

Malen, schreiben und Gartenarbeit liebe ich. Hier ist es eher mein eigener Anspruch, jetzt endlich jede Woche mindestens 8 – 10 Stunden zu malen und zwei bis drei Stunden am Tag zu schreiben und einen Traumgarten innerhalb von 6 Monaten zu schaffen, der mich überwältigt und lähmt. Daher hilft es mir auch bei diesen Aktivitäten, mir nur ganz kleine Portionen vorzunehmen, das nimmt dem inneren Antreiber und Kritiker die Macht.

Manchmal mache ich auch einen Wettlauf mit der Zeit und schaue z. B., wie viel Unkraut ich in 30 Minuten zupfen kann.

Seit ich mir morgens einen Plan mache, bin ich zufriedener mit mir und meinem Leben. Ich tue jeden Tag Dinge, die mir wichtig sind und gleichzeitig habe ich angefangen, mich an die Dinge zu machen, die ich gern vor mir herschiebe.

Liebe Gewohnheiten

Ich bin ein Gewohnheitstier. Seit ich keine Kinder mehr zur Schule schicken muss, also seit mindestens 20 Jahren, trinke ich morgens zwei Becher Kaffee und lese die Zeitung, wohl wissend, dass ich damit in die Hauptverkehrszeit gerate und mindestens 20 Minuten im Stau stehen werde. Infolge komme ich zu spät ins Büro und muss die Zeit nacharbeiten, was wiederum dazu führt, dass ich abends erst spät nach Hause komme und die Freizeit bis zum Schlafengehen knapp ist.

Ich könnte auch einen Thermosbecher mit Kaffee ins Auto nehmen, NDR Info hören und  frühzeitig auf der Arbeit sein. Dann wäre ich abends vor 18.00 Uhr zuhause und könnte die Zeitung in Ruhe auf dem Sofa lesen.  

Will ich aber nicht.

Ich liebe diese frühe Stunde allein mit mir und der Zeitung.

Aufstehen, duschen, anziehen und sofort los zur Arbeit, würde mir das Gefühl geben, eine Maschine zu sein.

Vor Kaffee und Zeitung walke ich mindestens 30 Minuten, egal ob Sommer oder Winter. Genieße die Bewegung und die frische Luft, Damit überliste ich meinen inneren Schweinehund. Der schläft um 05.30 noch tief und fest.  Abends hingegen ist er hellwach und lockt mich aufs Sofa. Dahin folge ich ihm dann auch gern.

Wie das wohl in einigen Wochen sein wird? Wenn ich jederzeit walken kann, wenn es egal ist, wann ich aufstehe und ich nicht nur eine Zeitung, sondern gleich mehrere lesen kann? Ob es mir wohl gelingt, eine Routine aufzubauen, die mir guttut?

Raus aus der Komfortzone

5 Gründe, warum du deine Komfortzone hin und wieder verlassen solltest

Eins ist sicher: solange du deine Komfortzone nicht verlässt, wird sich in deinem Leben nichts ändern.

Aber keine Angst, du musst deine Komfortzone nicht aufgeben. Im Gegenteil! Deine Komfortzone gibt dir Struktur, Sicherheit und Geborgenheit. Das brauchst du, um nicht ständig in Stress zu sein. Trotzdem gibt es gute Gründe, dich ab und zu aus deiner Komfortzone herauszuwagen:

  • du machst neue Erfahrungen: Du musst nicht gleich einen Gipfel erstürmen oder einen Seitensprung wagen, um neue Erfahrungen zu machen. Fang mit etwas kleinem an: geh in ein klassisches Konzert, wenn du normalerweise nur Rock oder Elektro hörst. Höre hin, lass dich ein. Wer weiß, vielleicht gefällt dir die Musik. Wenn nicht, hast du trotzdem etwas gewonnen, nämlich neue Eindrücke und einen kleinen Einblick in die Welt der Klassikliebhaber.
  • du erweiterst deinen Horizont: Mit jedem Ausflug außerhalb deiner Komfortzone erweiterst du deinen Horizont. Egal, ob du zum ersten Mal in ein veganes Restaurant gehst oder ein neues Land bereist, du hast etwas Neues erlebt, neue Erfahrungen gemacht und deinen Horizont erweitert.
  • du entwickelst deine Persönlichkeit: Du bist das erste Mal auf einem Schützenfest und findest die Veranstaltung gruselig? Die Welt ist bunt und vielfältig. Jeder Mensch tickt anders, und ganz viele ticken anders als du. Lass dich trotzdem auf sie ein. Entweder hilft es dir, offener und toleranter zu werden, andere besser zu verstehen oder du lernst, dich abzugrenzen und wirst dir deiner eigenen Werte besser bewusst. Das gibt deiner Persönlichkeit Kontur.
  • du gewinnst Selbstvertrauen: Du hast was geschafft, bist das erste Mal vom 3-Meter-Brett gesprungen, du bist zufrieden mit dir, du kriegst Lust, es noch mal zu machen. Traust dir nach 10 weiteren Sprüngen sogar das 5-Meter-Brett zu. Weiter so, du entwickelst gerade Selbstvertrauen. Vertrauen in deine Fähigkeiten und in dich selbst wächst nur, wenn du Ängste und Unsicherheiten überwindest. Das tust du jedes Mal, wenn du was Neues ausprobierst. Wie gesagt, es müssen keine Heldentaten sein. Viele kleine Schritte führen auch zum Ziel.
  • du wirst kreativer: Routinen, Monotonie, Gewohnheiten und immer gleiche Rituale rauben dir deine Kreativität. Neue Eindrücke, Ideen und Erfahrungen füttern sie hingegen. Du fühlst dich inspiriert und kriegst immer mehr gute Ideen.

Und wenn es schief geht?

Dann bist du um eine Erfahrung reicher. Dann machst du es einfach nicht noch mal. Gewonnen hast du trotzdem, denn du bist aktiv geworden, hast dich getraut und das allein ist schon großartig! Mach weiter so. Probier was anderes aus und lass dich bloß nicht entmutigen.